Von den Jungs von North From Here bekam ich heute deren Debut-Album “Demonic Token” in die Hände. Eingespielt in Unterbesetzung (Stefano Secchi, der Mann an der Gitarre, steuerte für das Album auch Synths und Drums bei) ist die Scheibe dennoch rund und dem Multitalent an Gitarre und Schlagzeug muss man einfach ein Kompliment für seine hervorragende Leistung an beiden Instrumenten machen. Wie die Jungs das Besetzungsproblem live meistern werden, davon kann ich mich dann morgen überzeugen, auf dem Feuerfänger Bandcontest im Devils Place. Denn laut Myspace-Seite fehlt nach wie vor ein Schlagzeuger. Also, an alle Drummer da draußen: Melden. North From Here hat Potential, es weit zu bringen.
Das Intro des Albums macht für mich erstmal keine verlässliche Aussage über die Qualität des restlichen Albums. Man muss dazu sagen: Mich haben die Synths erstmal ein bisschen erschrocken. Das Intro mutet sehr verspielt an – was man, zum Glück, vom Rest des Albums nicht sagen kann.
Song Nummer zwei, “Breaking Dawn“, zeichnet da schon ein ganz anderes Bild. Es wird recht schnell klar, womit man bei der Platte zu rechnen hat. Nämlich mit deftigem Melodic Death Metal der Marke (alte) Norther und Skyfire. Die Jungs haben das sicher schon öfter gehört. Der Sänger klingt wirklich fast original wie Petri Lindroos, der ehemalige Sänger von Norther.
“Payback” setzt wieder stark auf Synthetik und ist auch etwas gediegener als der Vorgänger.
“Burning Beyond” startet als erster Song ohne Synths, ist ebenfalls etwas langsamer und tragender. Nach dem Intro folgt erstmal ein Motiv, das gut und gerne auch von Insomnium sein könnte. Sehr melodisch mit rhythmischer Untermalung. Sehr genial an dem Song, die Soli von Gitarre und Keys. Lassen mal wieder Norther-Feeling aufkommen. Das letzte Drittel des Songs wird von leichtem Synth und klingenden Gitarren eingeleitet und bietet dem Sänger Grundlage für eine gedoppelte (und womöglich gepitchte) Erzählung der Marke Dimmu Borgir und Agathodaimon. Sehr düster aber sehr schön anzuhören.
“One more Lie” steigt wieder mit Keys ein. Klingt vorweg nach nem Song für gebrochene Herzen. In dem Song wirkt die Elektronik etwas überwältigend – prägnante Synths und die Vocoder-Stimmen überlagern die meiste Zeit den Rest der Instrumente. Würde ich persönlich ein bisschen runterschrauben.
“Beyond Horizon” knallt dagegen erstmal so richtig rein. Kurzes Schlagzeug-Intro und ab geht’s mit fetzigen Double-Bass und gedoppelten Leadsynths und -gitarren. Das Lied bleibt im Schnitt recht schnell, spielt aber auch mit Wechseln zwischen langsamen und sehr schnellen Rhythmusparts. Insbesondere beim Solo kommt der Wechsel ziemlich gut.
“North from Here“, gleichzeitig der Name der Band und des vorletzten Songs auf dem Album, kommt sehr langsam und tragend rein, überfällt aber spätestens bei der Strophe wieder mit sehr mächtigen Synths und Vocoderparts. Der Pre-Chorus zieht das Tempo wieder an und macht Lust auf mehr, was im Refrain selbst auch geboten wird.
Der letzte Song, “Demonic Token“, kommt mit einem Zusammenspiel von Synths und abgestoppter Rhythmusgitarre rein, zieht schnell und kompromisslos weiter und gipfelt in einer Strophe, die einfach so sehr nach Norther klingt, dass einem das Herz aufgeht. Schnelle Rhythmusgitarre, prägnante Drums und ein passender Leadsynth dazu untermalen die Geschichte des Sängers. Schnell gehts auch weiter bis zum letzten Drittel des Songs. Der beginnt mit einem sehr an Techno erinnernden Break zum Rest des Songs, untermalt von einer Alarmsirene, ist aber nur die Vorhut zum folgenden Geknüppel und den Soli. Der ganze Song schreit Norther und das ist auch gut so.
Fazit
Das Album kommt sehr traditionell daher, wenngleich viel mit Elektronik gearbeitet wird. Man denkt sofort an die alten Norther, Skyfire und Ensiferum – und das nicht nur wegen der erinnerungsträchtigen Stimme des Sängers. Ich persönlich stehe voll auf das ältere Material von Norther und bin dem Album daher sehr zugetan, wobei ich sagen muss, dass man die Synthesizer ein bisschen mehr in den Hintergrund stellen könnte und im gleichen Zuge mehr schnelle Parts einbauen könnte. Das Album als solches klingt sehr rund und durchdacht, aber ein bisschen mehr Speed hier und da würde ganz sicher nicht schaden, eher noch zum Bangen und Mitmachen einladen.
Mein persönlicher Favorit ist “Burning Beyond”, schwer zu sagen wieso, ist einfach so. Beim Hören der Platte wird einem einfach warm ums Herz, weil man viele Elemente wiedererkennt und weil die Jungs einfach was von dem verstehen, was sie da machen. Für ein Debut-Album ist das ganz großes Kino, in jeder Hinsicht. Fetter Sound, gut durchdachte Songs und große Fertigkeit an den Instrumenten.
Dass North From Here noch nicht überregional bekannt sind und Erfolge feiern ist mir ein Rätsel. Wir haben im Saarland viele Bands, darunter auch viele talentierte aber die Zahl derer, die ihr Debut mit sonem Brett feiern, ist eher klein. Das hat definitiv Erfolgspotential und sollte dringend verbreitet werden. Für Fans von Melodic Death Metal ein Muss.
Demonic Token
- Futro
- Breaking Dawn
- Payback
- Burning Beyond
- One more Lie
- Beyond Horizon
- North from Here
- Demonic Token
Das Album ist für 10€ + 2€ Versand per Mail an nfh@northfromhere.com zu kriegen. Kaufen!
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