2 Tage, 2 Konzerte, 1 davon selbst gespielt. Inzwischen bin ich wenigstens halbwegs ausgenüchtert und auf dem besten Wege, Halloween gebührend zelebrieren zu können. Aber genug von mir, gestern hab ich Traeos und Her Prayers Fail gesehen. Und die haben uns gesehen, zumindest zum Teil. Aufgespielt haben gestern neben den beiden noch Inner Riot in der Werkstatt Lebach. Geplant war, dass auch Centerfall an diesem Abend auftritt, diese mussten jedoch leider kurzfristig absagen, weil ihnen ein Gitarrist absagte. Die Jungs waren jedoch trotzdem am Start und haben mit den 3 anderen Bands abgefeiert. Entsprechend gibt es heute nur was über Traeos und Her Prayers Fail zu lesen.
Die Werkstatt…
Es begab sich vor nicht allzu langer Zeit (etwa 16h vor jetzt), dass 3 Bands am rückwärtigen Eingang der Werkstatt in Lebach aufliefen, um ein Konzert zu spielen. Das Equipment wurde schon teilweise ausgeladen, die Euphorie war groß und der Veranstalter nicht da. Na gut, macht nix. Kommt bestimmt noch. Es wird also gewartet. Irgendwann entschließt man sich, das bereits ausgeladene Equipment wieder ins Auto zu schaufeln und nebenan ins BarLu einen trinken zu gehen, bis die Werkstatt ihre Pforten öffnet.
Wie es der Zufall so will, war auch das BarLu noch zu. Grundgütiger. Man teilt sich also auf. Eine Abordnung hinter der Werkstatt, eine davor, damit einem nicht entgeht, wenn endlich jemand aufsperrt. Die Zeit vergeht. Inzwischen tauchte Chris vom BarLu auf und verstand die ungünstige Situation auf Anhieb, kennt er doch den Inhaber der Werkstatt. Mehr oder weniger. Er rät uns, es in einer anderen Kneipe nicht weit von unserem Wachposten zu versuchen, die vom gleichen Besitzer wie die Werkstatt geführt wird. Vielleicht trifft man dort ja auch sachkundiges Personal und erfährt Hilfe. Oder auch nicht. Inzwischen zu drei Guerillatrupps aufgeteilt, wartet man also über eine Stunde nach vereinbarter Uhrzeit immer noch auf Zugang zur Werkstatt. Und dann kam der rettende Anruf. Centerfall traf wohl den Veranstalter durch Zufall in der Stadt. Der mobilisierte sogleich seine Bedienung, die kurz darauf erschien und endlich die Tür aufschloss. Die Stimmung unter den Bands könnte man durchaus als “genervt” bezeichnen, aber jetzt ist ja alles gut.
Um mal weiter auszuholen…
Ich gehöre ja zur Untermenge jener glücklichen Menschen, die in Lebach an einem der Gymnasien ihr Abitur machen durften (2006). Das heißt, für alle die den Jahrgang und die vorigen kennen oder ihnen angehören: Ich gehöre auch zur nicht unbedingt kleineren Untermenge jener Menschen, die ein- oder mehrmals in “Freistunden” (*mit Zaunpfahl wink*) die Werkstatt besuchten, um dort nen sehr guten Kaffee für 1€ zu trinken, Kicker oder Photoplay zu spielen und dann und wann auch mal für eine Klausur zu lernen. Will sagen: Wir hatten da als Schüler eine gute Zeit. Natürlich auch abends, besonders in der Vorbereitungszeit vor den Abiturprüfungen. Lern- und Trinksessions, Pokerrunden, etc bla bla. Man verbindet also positive Erinnerungen mit dem Laden.
Ich persönlich freue mich immer in Lebach spielen zu dürfen, ist das ja mehr oder weniger unsere Heimatstadt (Wohnorttechnisch eigentlich nur für Baschdl, aber wir proben dort und einige gingen dort zur Schule). Viele unserer innig geliebten und verehrten Homeboys und -girls kommen aus der Ecke und gewisse Gesichter sehe ich auf jedem Konzert. Noch geiler war es natürlich, in der Werke zocken zu dürfen, ist das ja für mich eine Art Institution.
Soviel zur Theorie…
Die Praxis war ein total verballerter und nach wie vor struzbetrunkener Veranstalter, der mal eben eineinhalb Stunden nach der vereinbarten Uhrzeit aufschlug, scheinbar kurz vorher aus dem Koma erwacht. Genug der harschen Worte, ich bin einfach angenervt über die Tatsache, dass sich der Inhaber einer Kneipe (die ja keinen Gewinn abwirft, wenn sie zu ist) so gehen lässt und zudem grob 20 Leute einfach sitzen lässt.
Ich meine, wir spielen alle gerne, wir machen Musik eigentlich nicht, weil wir da den großen Reibach erwarten. Es macht uns Spaß auf der Bühne zu stehen, mit den Leute abzufeiern und einen zu trinken. Allerdings machen wir uns auch nicht zu sehr abhängig von Veranstaltern. Jede Band weiß, wie schwer es sein kann, überhaupt Konzerte zu bekommen. Wir sind dankbar für den Gig, keine Frage. Aber wenn man uns nicht will oder uns nicht genug Interesse entgegen bringt (und wenn es nur darauf beruht, die die eigene Kasse mit Bierverkäufen zu füllen – völlig ok) um pünktlich zu erscheinen, dann können wir auch wieder gehen.
Der einzige Grund, warum wir gestern noch da waren – und ja, das klingt jetzt nach ganz großem Showbiz, ist aber nunmal so – war der, dass viele Leute wussten, dass was abgeht und auch zusagten. Und keiner will seine Fans und Freunde enttäuschen, zumal einige wahrscheinlich auch nen Stück gefahren sind.
Das jedenfalls ist meine Sicht der Dinge. Fakt ist, dass ich jetzt fast 700 Wörter nur über die Werkstatt geschrieben habe und noch nicht fertig bin.
Es kam also der Zeitpunkt an dem wir endlich aufbauen durften. Die Bühne war verdammt klein und es wurde erstmal mit seichten Umbau- und Umräumarbeiten begonnen. Tische und Kicker wurden umgesiedelt, die Boxen von rechts nach links geschoben, um den Kesseln Platz zu machen. Hier muss ich einfach mal einwerfen, dass das ohne Stress und mit guter Zusammenarbeit ablief, hab selten mit so coolen und gechillten Bands und Musikern zusammen-”gearbeitet”. Überspringen wir aber die Einzelheiten und widmen uns der nächsten Geschichte.
Es ging stramm auf 21 Uhr zu und wir hatten noch nichts in Sachen Gesangsanlage unternommen. Die Verkabelung war keinesfalls auf Konzerte ausgelegt, sondern ziemlich statisch durch die Wand geführt und irgendwo hinter der Theke mit einer Endstufe verbunden worden.
Man improvisiert also. Endstufe abgebaut und woanders platziert. Boxenkabel aus der Wand raus und in die Endstufe rein. Mischpult dran. Kabel fehlt. Scheiße. Ok, anderes gefunden, das auch geht. Glück gehabt. Soundcheck Her Prayers Fail. Alles ist gut. Es ist 21:15 und es geht endlich los.
Am Rande noch erwähnt, die Abendkasse mussten wir selbst regeln, was uns vorher keine sagte. Der Veranstalter stelte uns großzügigerweise eine Kasse und Wechselgeld zur Verfügung und wollte euch nichts vom Eintritt, den wir dann direkt mal billiger gemacht haben.
Und hier möchte ich dann eine Lanze für die Crew der Werkstatt brechen. Mädels, ihr wart super. Ihr habt euch sicher genauso sitzengelassen gefühlt wie wir auch, aber ihr habt nen tollen Job hingelegt und uns gut versorgt. Auch das hab ich selten erlebt, es lief alles ohne Stress und ohne zuviel Gedanken an Geld und Gewinn. Im Anschluss an das Konzert und ans Einräumen unseres Equipments schlossen wir dann noch die Boxen wieder an. Die zugehörigen Kabel wurden scheinbar nach Verwendung der Endstufe einfach mal liegen gelassen. Nunja, gehört dazu.
So dumm der Abend anfing, so gut ging er zu Ende. Dazu dann aber später mehr. Man merkt, der Artikel fällt diesmal etwas länger aus. Sorry ;)
Her Prayers Fail
Über Her Prayers Fail schrieb ich ja hier und hier schonmal was. Heute bin ich etwas schlauer. Es ist eigentlich mal wieder einer dieser Fälle, wo die Songs auf einer CD nichts über ihre eigentliche Qualität preisgeben. Sagte ich in dem Review zur EP noch folgendes:
Die zwischenzeitlich eingeschobenen Growls, bzw. Shouts hätte ich persönlich gänzlich weggelassen, die Musik käme ohne deutlich erwachsener und homogener rüber. Ich finde das passt einfach nicht zum eher rockigen Ton der Gitarren.
so kann ich heute ohne mir dumm vorzukommen sagen, dass das schlichtweg falsch ist. Her Prayers Fail legten gestern ein dickes Brett hin und gaben sich sehr bewegungsfreudig und aktiv auf der Bühne, bzw. davor, was die Sänger anging. Das ganze Set hat viel mehr geknallt, als man es nach Hören der EP je hätte vermuten können und die Shouts und Screams gaben dem ganzen erst die richtige Würze, was so auf der EP einfach nicht rüberkam. Ich gebe jetzt einfach mal der Qualität der Aufnahme die Schuld und tue meine vorherige Aussage als jugendlichen Leichtsinn ab. In etwas mehr als 30 Minuten hielten Her Prayers Fail die Werkstatt in Bewegung und ernteten für ihre Darbietung viel Applaus. Es hat echt Spaß gemacht.
Ich kannte ja nur die 4 Songs ihrer Promo-CD, die sie meines Wissens nach auch spielten. Allerdings war da auch viel dabei, was mir neu war. Material, das verdammt geil war und das mir persönlich auf der EP im Nachhinein gefehlt hat.
Im Anschluss an das Konzert bekam ich zu der verreviewten EP endlich auch das materielle Gegenstück in Form eines Silberlings. Danke dafür.
Mal von ihrer verdammt soliden Leistung in Sachen Metal und Bühnenpräsenz abgesehn, waren HPF auch als Menschen in dem gestern herrschenden Chaos ziemlich cool drauf und sorgten mit für einen schließlich reibungslosen Ablauf des Abends. Man hat sich ausgetauscht, gegenseitig ausgeholfen und hoffentlich ein paar längerfristige Kontakte geknüpft. Ganz großes Kino von Her Prayers Fail, wir sehen uns sicher nochmal :)
Traeos
Die wohl bekannteste Formation des Abends war Traeos. Die Jungs aus Saarbrücken sind mit Plattenvertrag und eigenem Tontechniker unterwegs und zeigten uns gestern auch, warum das so ist.
Nachdem Centerfall ausfiel und die Jungs schon nen anstrengenden Gig-Freitag hinter sich hatten, rutschten sie vom 3. auf den 2. Platz in der Running-Order und bespielten somit das Mittelfeld. Es gab Songs von ihrer aktuellen Platte “Mnemosyne” sowie von der 2008 erschienenen EP “The Aion Drive”. Bekannt war mir Traeos schon länger, allerdings hatte ich bisher keine Gelegenheit, sie mir mal anzuschauen. Kucke aber öfter mal bei Myspace rein, obs was neues an Hörwerk gibt. Umso gespannter war ich dann gestern, als es losging.
Was man über Traeos sagen kann ist, dass sie einen Riecher für melancholische und irgendwie ätherische Melodien haben. Ich hatte oft das Gefühl gleich total abzuspacen, während lange, sich ständig wiederholende Shreds und Akustik-Riffs mit viel Echo und Delay mein Hirn ansteuerten. Die Soundkullisse war der Wahnsinn. Man könnte durchaus Parallelen zu Bands wie DIMMU BORGIR ziehen, die auf alten Alben auch mit solchen Elementen spielten – wenngleich ein wenig weniger ätherisch und mehr schwarzmetallisch. Aber die Idee dürfte die gleiche sein. Den Zuhörer einlullen und dann die volle Breitseite verpassen.
Derartige Wechsel von ruhig zu verheerend gab es öfter und es zieht einfach. Das lädt ein, mitzumachen. Die generell düstere Stimmung der Songs lässt einen Abseits der Moshparts auch gerne mal gedanklich abschweifen. Was die Bühnenpräsenz der Jungs angeht muss man insbesondere den Frontmann und den Bassisten erwähnen, die teilweise schon gefährlich ausschweifend zur ihrer Mucke abgingen. Sprang der Sänger nur dann und wann mal ins oder fast ins Publikum, schwenkte der lange Arm der Tieftöne immer mal wieder heftig weit aus, sodass ich schon Angst um mein Gebiss hatte. Was jetzt nicht negativ ausgelegt werden soll. Die Nähe der Band zum Publikum ist was sehr Positives und Musiker die in ihrer eigenen Mucke so aufgehen ebenfalls.
Ein recht illustrer Zwischenfall ereignete sich irgendwann im 2. oder 3. Song, als eine vorher mit Panzertape an der Decke befestigte Lampe plötzlich ihren Halt verlor und runterfiel. Dabei hing sie natürlich noch am Kabel, sie wurde vorher nur bewusst höher gehängt, damit sie nicht stört. Das Ding löst sich als aus seiner Befestigung und schwingt runter, nur 20cm neben dem Kopf des Bassisten, der gerade eine Cleangesangspassage intonierte. Da hat er sich den richtigen Platz für sein Mikro ausgesucht ;)
Traeos ham ne solide und fehlerfreie Show abgeliefert. Die Musik der 5 Jungs aus der Landeshauptstadt sollte man sich auf deren Myspace-Seite einfach mal einverleiben, wie gesagt, man kann sich drin verlieren. Wenn alles hinhaut folgt in Kürze auch ein Schrieb über “Mnemosyne”, der Name den ich nich aussprechen kann.
Halleluja…
Es hat also irgendwie geklappt, diesen Abend zu überstehen ohne auszurasten. Es lief recht gut nachdem Her Prayers Fail mal auf der Bühne waren, untereinander hat man viel Hilfe erfahren und geleistet und sufftechnisch sind sicher auch alle auf ihre Kosten gekommen.
In diesem Sinne ein großes Dankeschön an Centerfall, die das alles möglich machten. Danke an Her Prayers Fail und Traeos für zwei fette Shows. Danke an die Bedienungen der Werke, die das alles ordentlich gerissen haben und uns gut abfüllten. Danke an alle die da waren und abgefeiert haben. Undergroundkonzerte leben ja nunmal von den Leute die hingehen und auch offen für Neues sind. Und danke an Alex, der so hart abging, dass er im Bier liegend noch weiterspielte. Mein Held!
Und hoffentlich gehts dem Umgefallenen wieder besser. War echt nen Schockmoment.
Fotos werden nachgereicht. Falls noch jemand welche hat oder ihr irgendwelche Galerien kennt, sagt an. Bis dahin, cheers!
UPDATE
HIER eine Fotogalerie von SOL.de
Teile und herrsche
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Comments
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Klar, das ist halt das Problem, wenn man singt/spielt UND Reviews schreibt. Egal, war echt geil gestern, und zwar alles :-)
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LikeNaja am Rande erwähnt hab ich uns ja ;) Aber ich kann schlecht drüber schreiben.
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LikeFabian, ich verstehe das gerade nicht: Da hat noch eine geile Band gespielt. Wieseo werden die nicht genannt? ;-)
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