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20.08.2011 CD-Releasefeier Wanderreigen

Es heißt immer so schön, man soll aus schlechten Zeiten das Beste machen. Nachdem kurze Zeit vor der CD-Releasefeier von Wanderreigen die Nachricht über einen Motorradunfall des Producers bekannt wurde (gute Besserung an dieser Stelle!), konnte man wohl von einer schlechten Zeit für die Band sprechen. Trotzdem entschied man sich, die geplante Veranstaltung mit allen Specials durchzuziehen und ein denkwürdiger Abend nahm seinen Lauf.

Die CD-Releasefeier fand also ohne CD statt und wurde von der Band sehr gut gelöst: Jeder konnte die CD vor Ort bestellen und bekommt sie nach der Veröffentlichung portofrei  zugeschickt. Vorbildlich! Die Schätzungen, wann es soweit sein könnte, bewegten sich im Bereich von 4-5 Wochen. Über das neue Album können wir trotzdem bereits ein wenig berichten, da iamhavoc.de exklusiv an dem Tag schon mal einen Blick auf das Booklet und die Songs werfen durfte. Aber der Reihe nach.

Mit der Stummschen Reithalle in Neunkirchen wurde der perfekte Ort gewählt. Sie ist gut zu erreichen und bietet neben genug Platz für das Publikum auch eine große Bühne und eine Getränketheke. Offenbar konnte Wanderreigen die Anzahl des Publikums sehr gut einschätzen. Bei  über 100 zahlenden Gästen zzgl. Crew, Bekannte, usw. hatte man die perfekte Mischung aus vollem Haus und genug Platz um sich auch noch bewegen zu können. Aber ich greife schon wieder vorweg.

Das Booklet und die Hülle

Der Bassist Nick und wenig später auch Sänger Benny haben uns am Laptop stolz das Booklet gezeigt. Für eine auftrebende Band eher ungewöhnlich wird der Fan mit einem 16 (!!) seitigen Booklet verwöhnt und ich kann es kaum erwarten, das Teil in meine Finger zu bekommen. Nick konnte sich, wie auch bei vielen Songs, kreativ austoben und hat versucht alles einzubauen, was ihm selbst an Booklets wichtig ist. Es wurden tolle Hintergrundbilder für die Seiten gestaltet, Bilder und Skizzen aus Nicks Feder eingefügt, Fotos der Bandmitglieder eingebunden, die Texte abgedruckt (es ist mir ein Rätsel wieso viele Bands gerade daran sparen) und besonders toll fand ich den Mittelteil. Über eine Doppelseite sind hier mehrere Bilder von Konzerten eingefügt. Aber nicht von der Band, sondern von dem feiernden Partyvolk. Ein Verewigen derjenigen, die Wanderreigen unterstützen und durch die sich die ganze Arbeit von Songwriting, Festivals/Konzerte und CD-Aufnahmen usw. überhaupt erst lohnt.

Auch an anderer Stelle wird mit grafischen Doppelseiten gearbeitet, für die dann teilweise auch thematisch passend die Songsreihenfolge angepasst wurde. So sieht man z.B. die Texte zu den Songs „Nordstern“ und „Die Flut“ auf 2 Seiten, während als Hintergrund ein Strand bei Nacht voller Ratten mit Blick aufs Meer und ein Schiff gewählt wurde.

Zum Ende des Booklets gibt es noch die üblichen Danksagungen und – weniger üblich – eine Seite des Sponsoren. Sponsoren? Richtig gelesen. Wanderreigen haben mit der „co.met GmbH“ einen Partner gefunden, der die Produktionskosten übernimmt und somit der Band ermöglicht die Songs mit guten Studioaufnahmen und dem oben beschriebenen Booklet zu präsentieren. Das Ganze wird dazu noch in einem Jewel-Case mit transparenten Inlay und weiteren stimmigen Bildern von Nick gekrönt. Hier bekommt man auf jedem Fall etwas für sein Geld und es ist schön zu sehen mit welcher Leidenschaft die Band an der Verwirklichung ihres Debüts werkelt.

Die Songs

Natürlich wäre es sinnlos, sich die ganze Arbeit zu machen und keine ordentlichen Songs zu haben. Auf vielen Konzerten konnte man sich aber bereits vergewissern, dass Wanderreigen hier keine Probleme haben wird. Als wir nun die Songs vorab schon mal hören durften, kann ich es – auch in der noch nicht vollendeten Fassung – in die Welt rufen: Die Songs wissen auch von CD zu gefallen!

Zu Beginn der Aufnahmen im Februar musste die Band schnell erkennen, dass man in der Zeitplanung zu optimistisch war. Die zusätzlich aufgebrachten Stunden und Tage haben aber bestimmt nicht geschadet. Stattdessen war selbst in dieser Version der Songs eine Qualität zu hören, von der andere Bands nur träumen können.

Den Anfang machte der Song „Irish“. In diesem zweiten Song, der nach dem Lied „Wanderreigen” in einer Phase der Wegfindung geschrieben wurde, sind zwei traditionelle irische Melodien in ein moderneres Gewand gesteckt und mit dem kürzesten Text des Albums versehen worden: „Vier“. Die Lösung dessen, was sich dahinter verbirgt, hatte sich ein wenig verselbstständigt. Theorien / Geständnisse, dass Benny bei den Freimaurern ist und es sich hier um einen Code handelt, lässt das Lied und das Booklet in anderem Licht erscheinen. Oder man glaubt die schnell hinterher geschobene Ausrede, dieser Text hätte sich in den Proben durch das Einzählen des Songs entwickelt: 1, 2, 3, 4 ? Naja – wer’s glaubt ;-)

Der Song „Lebenskraft“ wurde auch mit interessanten Informationen angekündigt. Zum einen ist der Song ein sehr guter Beleg dafür, dass es nicht den einen Songschreiber bei Wanderreigen gibt. Hier war z.B. Schlagzeuger Jan federführend. Zum anderen sollten hier Metalcore-Elemente mit dem Mittelalter verbunden werden. Ähm, wie bitte? Was? Wirklich nachvollziehen kann ich auch nach Hören des Songs diese Aussage nicht. Man merkt, dass Wanderreigen anders als sonstige Genrevertreter wie Schandmaul oder In Extremo mehr Nutzen aus der zweiten Gitarre zieht und dadurch der Sound stellenweise wuchtiger wirkt und oft mit sehr interessanten Solos des Leadgitarristen Sanda glänzt. Aber Metalcore ist dann doch für mich etwas anderes und meine Vorstellung davon hätte in den tollen Song auch nicht gepasst. Bei „Lebenskraft“ konnte ich auch einen ersten positiven Eindruck zum mehrstimmigen Gesang von Benny und Steffi bei den Aufnahmen gewinnen.

Der positive Eindruck bliebt auch über die folgenden Songs wie „Tanzlied“, den Titeltrack „Rum & Ratten“, den ersten Song, der in dieser Gruppe entstanden ist „Wanderreigen“ und „Spielmannsseele“ bestehen. Überall sind tolle Parts, die man beim hören mitsingen, mitwippen, mittanzen will und offenbar funktionieren die Songs wirklich auch ohne Liveshow. Besondere Aufmerksamkeit kam dem Schluss in „Rum & Ratten“ zu. Es wurde ein „Queen-Part“ angekündigt und ursprünglich sollte auch für die heutige Liveshow ein Chor auftreten um den Teil Live umzusetzen. Ja, an der Stelle will man „mamamia mamamia let me gooooo“ trällern. Klingt toll und anders, aber gerade auch wegen der schwierigen Liveumsetzung muss man zukünftig aufpassen einen gesunden Mittelweg zu finden: interessante/sehenswerte Unterschiede zwischen CD und Liveprogramm vs. Möglichkeiten der Umsetzung, damit die Stellen, an die man sich am ehesten erinnert auch im Liveprogramm auftauchen.

Ein ruhiger Song war nun an der Reihe: „Hast du mich hergeführt?“ ist nichts geringeres als die musikalische Umsetzung eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke. Klingt prima und ist perfekt, um ein wenig Abwechslung aufs Album zu bekommen.

Mit den Songs „Die Flut“ und „Nordstern“ haben zwei Songs ihren Weg auf das Album gefunden, die durch die starke Gewichtung von Dudelsackmelodien musikalisch sehr stark an In Extremo erinnern. Zwar spielt Steffi auch bei anderen Songs Dudelsack, aber irgendetwas lässt einfach sofort an die Musikerkollegen denken. Dies soll jetzt aber keinesfalls bedeuten, dass die Songs abgekupfert klingen. Ganz im Gegenteil. Es wird weiterhin ein hohes Niveau gehalten, bevor es mit dem ive immer sehr erfolgreichen Lied „Der Schmied“ sein sehr gutes Ende findet.

Das Konzert

Nach mehr als 2 Stunden, die sich Wanderreigen für uns Zeit genommen hat (Danke! Top!) wurde durch Benny „Bitter Atonement“ angekündigt und die Feier offiziell gestartet. Ich habe schon oft über diese Band geschrieben. Anscheinend spielt sie auf allen von mir besuchten Konzerten. Trotzdem brauche ich nicht auf ältere Artikel zu verweisen. Noch fällt es mir leicht etwas zu schreiben. ;-)

Allein die Tatsache, dass die Band diesmal nur in der XS-Version spielte erleichtert mir den Einstieg. Sänger Sebbi sorgte vermutlich gerade für Chaos und Lachkrämpfe auf dem Summer Breeze Festival, während Tanja seine Parts live übernahm. Der Start geriet etwas holprig. Trotz Soundcheck startete das Intro-Sample nicht. Als es dann funktionierte, dauerte es die ersten paar Songs bis offenbar jeder auf der Bühne die folgenden Samples korrekt hörte. Beim Gesang von Tanja dauerte es meiner Meinung nach auch 2-3 Songs, bis die Stimme wuchtig wie sonst durch die Boxen kam. Aufregung bei ihr oder ungewohnte Klänge für den Tontechniker von Wanderreigen? Beides gut möglich. Über den Abend war der Sound und auch die Lichttechnik aber klasse und besonders beim Licht ist es beeindruckend, wie sehr sowas ein Konzert aufwerten kann.

Insgesamt konnte Tanja stimmlich überzeugen und den fehlenden Sänger gut vertreten. Bei den Unterhalterqualitäten leider weniger. Natürlich wurde wieder getanzt, die Welle gemacht und an der Spielfreude braucht man bei keinem der Bandmitglieder mehr zu zweifeln. Am Ende vermisste ich aber noch die Portion Wahnsinn auf der Bühne. Wer die Band aber zum ersten mal gesehen hat, dürfte auch nichts vermisst haben. Patrick war wie immer kaum zu bremsen, Svenja stimmlich beeindruckend und die anderen Mitglieder (Sven, Drums / Max, Bass / Mathias, Gitarre), deren Leistung ich bisher wohl zu selten hervorgehoben habe, sind über jeden Zweifel erhaben. Wie zu erwarten wurde das Set professionell durchgezogen und leider – wie befürchtet – ließ sich das Publikum nicht wirklich zum feiern überzeugen. Vielleicht war der Stilunterschied zwischen Progressiv Death Metal und Mittelalterrock dann doch zu groß. Denkbar wäre aber auch, dass sich die Leute noch schonten für das Wanderreigenkonzert. Immerhin habe ich im Nachhinein noch gehört, dass die Band verdienter Maßen noch einige CDs verkaufen und somit offenbar doch Zuhörer von sich überzeugen konnte.

Set

  1. Vicious Circle
  2. Meggiddo
  3. Notion of ease
  4. Forevermore
  5. Decisions
  6. Caught up in Conscience
  7. Crowned with ashes
  8. Retorture

Zugabe

  1. To my servant

Nach kurzer Umbaupause kam dann der Gastgeber. Der Raum hatte sich merklich gefüllt und alle drängten gen Bühne. Das erste „Prost Neunkirchen“ wurde noch recht schwach vom Publikum beantwortet, aber sobald die ersten Töne von „Der Schmied“ auf die Ohren trafen war die Halle am kochen. Es wurde getanzt, gesprungen, geklatscht, geschüttelt der Kopf…von 0 auf 100 in drei Tönen.


Mit dem „Tanzlied“ und „Spielmannsseele“ wurde die Euphorie vor und auf der Bühne mindestens beibehalten. Neben den vielen für den Abend geplanten Specials zwischen und während den Songs, gab es auch einen unerwarteten „Höhepunkt“: Ein Gast aus der ersten Reihe hatte einen Striptease auf der Bühne angeboten und zur allgemeinen Unterhaltung auch unter leichter Musik der Band durchgeführt.

Mit „Rum & Ratten“ aber bekam das Publikum ein besseres Special geliefert. Der Mann des Abends war spätestens ab diesem Song Rouven, denn der Rouven, der hatte Rum und der Rouven, der hatte auch (weiße Gummi-)Ratten und all das sollte an das Publikum gehen, wenn sich die Arme ordentlich in die Luft erheben und Wellen schlagen. Ohne diesen zusätzlichen Ansporn hätte das zwar bestimmt auch funktioniert, aber so war es natürlich besser.

Bevor es mit dem ruhigen „Hast du mich hergeführt?“ danach eine kleine Verschnaufpause für das Tanzvolk gab, begann Benny mit den ersten Danksagungen des Abends. Einem „Manu“ wurde gedankt, da ohne ihn das Album nicht (bald) existieren würde. Also: Danke Manu!

Nun kam wieder mehr Leben in die Bude. „Lord of the dance“ wurde seinem Namen voll und ganz gerecht und zusätzlich mit einem Interlude von „Uriah Heep – Lady in Black“ aufgemotzt. Auf den Weg in „Schlacht“ wurde man neben der Musik auch mit ein wenig Pyrotechnik geführt. Der folgende Song „Lebenskraft“ zeigte perfekt die Erfahrung und die Unterhalterqualitäten. Das Publikum wurde immer noch mehr angestachelt und bei „Wanderreigen“ gab es gar ein eigenes Zeichen für die Band: die doppelte Pommesgabel zu einem „W“ verbunden, was auch brav nachgemacht wurde.

Nach weiteren Danksagungen ging es mit „Die Flut“ und „Irish“ (während dem ein grüner Luftballon gefüllt mit den Gummiratten über das Publikum gejagt wurde bis er zerplatzte) in den Endspurt des Abends. Natürlich ließ das Publikum die Band nicht ohne Zugabe von der Bühne und was lag nach dem obligatorischen „Bombomstand“ näher als erneut nach „Rum & Ratten“ zu verlangen? Nicht nur der Song – auch Rouven wurde wieder verlangt. Aber da der Rum leer war gab es dafür um so mehr Ratten, die dem Volk entgegengeschleudert wurden. Etwas überrascht war ich dann aber doch über den Pogo der sich zum Abschluss noch entwickelte.


Als der letzte Ton verklungen war, gab es das letzte große Special: jede Eintrittskarte diente auch als Los und wem das nicht ausreichte, der konnte zusätzliche Lose kaufen. Die Gewinner freuten sich über unterschiedliche Merchandisepakete und der Platz Nr. 1 über ein eigenes Wanderreigen-Fahrrad, das – sobald fertig – persönlich übergeben wird. Komplett verrückte Idee, aber ebenso genial.

Set

  1. Schmied
  2. Tanzlied
  3. Spielmannsseele
  4. Nordstern
  5. Rum und Ratten
  6. Hast du mich hergeführt?
  7. Lord of the dance
  8. Schlacht
  9. Lebenskraft
  10. Wanderreigen
  11. Die Flut
  12. Irish

Zugabe

  1. Bombomstand
  2. Rum und Ratten

Galerie

Teile und herrsche

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