Am Samstag wurden wir aufs Rocking Lorenz 2011 eingeladen. Ein bisschen verspätet trafen wir um 20 nach 8 am Gemeindezentrum Schafbrücke ein. Gott sei Dank! Eigentlich wollten wir auf den letzten 500 Metern nochmal umdrehen. Das Gemeindezentrum liegt am Ende einer Sackgasse, die zwischenzeitlich durch tiefste Pampa führt. Eigentlich hatten wir nicht mehr erwartet, am Ende der Straße noch was zu finden. Glücklicherweise wurden wir eines Besseren belehrt. Am Ende der Straße erwartete uns ein prall gefüllter Gemeindesaal und akute Parkplatznot. Fuck yeah! Die Resonanz des Events war schon vor der Tür zu spüren. 191 zahlende Gäste quetschten sich in den eigentlich recht geräumigen Gemeinderaum und brachten ein kleines bisschen subtropisches Klima ins Saarland.
Encrypt
Erster Act des Abends waren die Jungs und das Mädel am Schlagwerk von Encrypt. Da wir ein bisschen zu spät an waren, bekamen wir noch 4 Songs mit. Es war der erste Auftritt der jungen Band, die ihren Proberaum offensichtlich in den Räumen des Gemeindezentrums hat. Rein performancetechnisch merkte man die nicht vorhandene Live-Erfahrung aber keinem der Musiker an.
Zumindest die 4 Songs, die wir von Encrypt mitbekamen, waren Cover. Mit Weezer und Green Day hat man sich auf jeden Fall zwei markante Rockbands als Covervorbilder ausgesucht, mit deren Songs man die Hütte ordentlich zum Kochen brachte. Das Publikum hatte Spaß, feierte mit und trieb die Innentemperatur nochmals über die Grenzen des Angenehmen.
Encrypt lieferten ne solide Leistung für einen ersten Gig. Mich zumindest konnten sie mit den Coversongs nicht wirklich in Wallung bringen und es muss auch noch ein bisschen Arbeit in die musikalische Umsetzung der Songs investiert werden, jedoch ist die Band auf einem guten Weg und hat mit dem grandiosen Publikum auf ihrem ersten Gig ne Menge Rückenwind kassiert.
Noire
Nächster Act waren die Jungs von Noire. Der “Progressive Core”, den die Band praktizierte, war schon eher meine Kragenweite. Auch Noire bediente das Publikum hauptsächlich mit Coversongs (u.A. Caliban, Rammstein, Slipknot), brachte aber zwischendurch auch ein Snippet aus einer Eigenkomposition.
“Progressive Core”, das rührt daher, dass die Jungs unter anderem auf Dream Theatre (Progressive Metal) und Caliban (Metalcore) stehen. Naja. Mal davon abgesehen, dass das Erfinden oder zusammenwürfeln von Stilrichtungen eigentlich nur eins über eine Band aussagt – dass sie verkrampft versucht, Individualität zu simulieren – gab es eigentlich nur 90 Sekunden eigene Musik, die man einer Musikrichtung hätte zuordnen können.
Jedenfalls wundert mich das Individualitätsgeheische. Noire präsentieren sich auf ihrem ebenfalls ersten Gig sehr sicher und warten, obwohl mehrheitlich Cover, mit musikalisch anspruchsvollen Songs auf. Der Mann an der Rhythmusgitarre spielte den ganzen Gig mit einem Eisstiel!!! statt einem Plektrum, da er sich kürzlich wohl dazu entschied, keine Pleks mehr zu nutzen. Großartig.
Ungeachtet der auch bei Noire fehlenden Liveerfahrung brachte die Band mit Covern von Rammstein und Slipknot das Publikum dazu, sie gesangstechnisch bei den Refrains zu unterstützen und lauthals mitzugröhlen.
Alles in allem ne runde Sache. Auch Noire dürfen sich über ne Menge Rückenwind für zukünftige Gigs freuen. Großes Kompliment übrigens: Kaum ließ der Frontmann den ersten Schrei los, pilgerte die bei Encrypt noch anwesende Senioren-Fraktion im Gänsemarsch aus dem Saal. +1 Progressive Core.
Baxter
Als dritter Act musste am Samstag Abend Baxter ran. Baxter sind aus Mannheim, im Großraum Saarbrücken allerdings nicht unbekannt, hatten sie doch schon zahlreiche Auftritte im Devils Place. Dennoch schienen sie dem Publikum auf dem Rocking Lorenz mehrheitlich nicht bekannt zu sein. Was allerdings keine Barriere darstellte. 3 Akkorde angezockt und die Bude hat gekocht.
Baxter spielen massiv tanz- und springbaren Melodic Punk. Die Jungs sind seit 10 Jahren dabei, was mehr als deutlich spürbar war. Baxter hatten nen bomben Sound – den besten des Abends. Abgesehen von der deutlich höheren Lautstärke hätte man meinen können, man hört gut gemischte Mucke vom Band. Mitverantwortlich für dieses Erlebnis war auch die tighte Umsetzung der Songs. Jede Note auf den Punkt gespielt und selbst schwierige Breaks und Übergänge ohne merkliche Anstrengung gemeistert. Obwohl ich absolut kein Punk-Mensch bin – der Auftritt hat hart gerockt.
Mindfear
Headliner des bisher großartigen Events waren Mindfear aus Dengbert. Nach wie vor gut in der Zeit startete der letzte Auftritt des Abends mit ner meisterhaften Posereinlage des Gitarristen.
Mindfear machten musikalisch einen guten Spagat zwischen der Musik von Noire und der von Baxter. Viel Metal und eine Prise Mitmach-Musik, garniert mit der grandiosen Stimme von Frontfrau Mirijam. Neben Baxter die einzige Band, die größtenteils Eigenkompositionen spielte. Einziges Cover war eine metallastige Version von Lenas “Satellite”.
Performancetechnisch die lebendigste Band des Abends. Die drei Männer an den Saiten-Instrumenten liefen während der Songs durchs Publikum und spielten scheinbar Fangen. Alles in allem ne runde und schlüssige Performance von Mindfear.
Auch Mindfear brachten das Publikum zum Tanzen und Moshen. Mit einer fetten Mischung aus Metal-Breakdowns und sanften akustischen Einspielungen in den Songs beschrieb die Band eine abwechslungsreiche Stimmungskurve, die den Zuschauer hin- und herschubste zwischen Parts fürs Ohr und Parts für die Nackenmuskeln.
El Fazito!
Mal grob zusammengefasst, war das eine der besten Konzertveranstaltungen, die ich in letzter Zeit besuchen durfte. Abgesehn von den standardmäßig guten Events im Devils Place reiht sich das Rocking Lorenz samt Orga-Team ganz vorne ein in die Reihe von Events und Veranstaltern, die es drauf haben, dem Publikum einen schönen Abend zu bescheren.
Großer Nervfaktor auf Konzerten ist für mich immer, dass der Zeitplan nur selten eingehalten wird und man bei 4 Bands und Startzeit 20 Uhr oft befürchten muss, bis 2 Uhr in nem stickigen Konzertsaal festzusitzen.
Nicht so auf dem Rocking Lorenz. Die Bands waren VOR 12 Uhr durch und alle hatten ausreichend Spielzeit, um ihre Sets zur Geltung zu bringen. Der Sound war durchweg gut, es gab ne brauchbare Beleuchtung und einen total rutschfreien Bereich vor der Bühne – da, wo man normalerweise literweise verkipptes Bier erwartet.
Von der etwas abschüssigen Location mal abgesehen gibts da nix zu maulen. 191 zahlende Gäste können schließlich nicht irren. Obwohl auch auf dem Rocking Lorenz ein Trend die Stellung hielt – nämlich dass nach jeder Band etwa 25% des Publikums verschwinden – waren zum Schluss noch zahlreiche Feierwütige in dem höllisch heißen Konzertsaal um mit Mindfear um kurz vor 12 abzufeiern. Großes Kino eigentlich.
Ob man das nun als Plus oder Minus ansieht überlasse ich mal euch, aber auf dem RL gab es, zumindest offiziell, keinen “harten Alk”. Urmilch war das höchste der Gefühle. In Anbetracht der Tatsache, dass es wohl ein kirchlich getragenes Festival ist irgendwie auch verständlich. Zudem wurde die wahrhaft köstliche Piranja Cola ausgeschenkt anstelle normaler Coke. Also auch was für die lokale Wirtschaft getan. Yay!
Jedenfalls bin ich gespannt aufs nächste Jahr. Rundum sorglos auf dem Rocking Lorenz – zumindest für mich als Zuschauer. So, und wirklich genau so, muss ein Konzert laufen. Dann kommen die Leute auch wieder von der Couch runter.
Cheers!
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Wheatus. Same Shit, other Band
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