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Sleepless Tour 2011, Saarwellingen

Am vergangenen Samstag war im Flexibel Saarwellingen Auftakt der Sleepless Tour 2011 mit BITTER ATONEMENT, UNCHAINED und den Gastgebern URIELS WINGS, die an dem Abend ihr neues Album “Sleeper” releasten.

Bitter Atonement

… durften den Abend eröffnen. Das Flexibel war, wie so oft in letzter Zeit, nicht so üppig besucht, sodass BITTER ATONEMENT vor recht dünnem Publikum spielen mussten. Doch da wurde ordentlich drauf geschissen und mindestens genauso viel Gas gegeben wie auf jeder anderen Show der Truppe, die ich bisher genießen durfte. Leider fehlte Sängerin Svenja, die derzeit einen Auslandsaufenthalt in den USA verbringt, was BITTER ATONEMENT kompensierten, indem sie Svenjas Stimme im Vorfeld auf Band bannten und an diesem Abend von selbigem wieder runterspulten. Sowohl die Qualität der Aufnahmen als auch die Genauigkeit der Umsetzung durch die Band haben mich sehr beeindruckt.

Auch an diesem Abend mischte im Flexibel der Heini, was grundsätzlich immer für guten Sound steht. Soviel muss man gesagt sein: Derartig differenzierten und prallen Sound hatte ich bei gefühlten 7 Auftritten, die ich von BITTER ATONEMENT miterleben durfte, noch nicht gehört. Fast wie vom Band, einfach herrlich.

Sebbi, seines Zeichens Kampfsänger der Band, begann den Auftritt mit einer saugeilen Maskerade: versteckt hinter einer Pappmaske von Mister Bean wurde der Abend mit Getöse und Gelächter eröffnet.

Insgesamt hatte man den Eindruck, BITTER ATONEMENT haben viel Zeit in ihre Liveperformance und die “Verbesserung” ihrer Songs investiert. “To my Servant” bekam ein erweitertes Interlude verpasst (und ein schweinegeiles noch dazu), die zweite Hälfte des Refrains von “Forevermore” wurde von Svenja anders intoniert und ging richtig unter die Haut. Performancetechnisch wurde noch mehr gebangt als sonst und trotz kleinem Publikum heftig abgefeiert.

Durch den äußerst klaren Sound waren auch Patrick Meyers abartige Soli wesentlich besser zu hören als sonst. Und mit abartig meine ich, dass in vielen Gitarristen, die ich kenne, mit jedem Ton ein leichter Todeswunsch mitschwingt, weil man genau weiß, dass man nieeeeee nie nie so gut sein kann ;)

Seit langem mal wieder (das letzte Mal dürfte Otzenhausen gewesen sein) zeigte Frontberserker Sebbi “etwas” Haut. Einer dieser Momente auf den Auftritten von BITTER ATONEMENT, die maßgeblich dafür sind, wieso ich jedes Konzert der Band gerne besuche und genieße. Nicht direkt der Peepshow wegen, aber das lockere Selbstverständnis und der nach außen hin suggerierte mangelnde Ernst der Band faszinieren mich, wenn man bedenkt, wie zielstrebig man das Debutalbum rausgehauen und die Qualität der gesamten Performance stetig hochgeschraubt hat – auch über Hürden, wie das Fehlen von Svenjam hinweg. Grandios, klasse, mehr davon! Und jetzt noch Sebbi in Kampfpose.

Unchained

UNCHAINED sah ich am Samstag zum zweiten Mal. Ich habe eine vage Erinnerung an Zeiten, in denen ich UNCHAINED mit Death- und Blackmetal assoziert habe. Vermutlich, weil damals irgendwas in dieser Richtung praktiziert wurde (wenngleich das schon 3-4 Jährchen her ist). Umso mehr frage ich mich jedes Mal, was daraus geworden ist. Inzwischen spielen UNCHAINED zweifelsohne gute Musik, aber die Mischung haut mich persönlich nicht aus den Schuhen.

Optisch und musikalisch sind UNCHAINED am ehesten mit Bands wie BULLET FOR MY VALENTINE zu vergleichen, wobei auch der Vergleich ein bisschen hinkt. Denn was BFMV hat und mir bei UNCHAINED den ganzen Abend gefehlt hat, ist ein Spritzer “Härte”. Musikalisch ganz großes Kino, auch stimmlich ne Wucht, hab ich mir an verschiedensten Stellen der Setlist gewünscht, der Frontmann würde mal ein bisschen mehr schreien und shouten. Das, gepaart mit seinem sonst richtig guten Gesang und der gut durchdachten Komposition der Songs, würde UNCHAINED für mich sehr reizvoll machen. So finde ich jedenfalls, ist das Konzept nicht zu Ende gedacht – es fehlt einfach was.

Wirklich geil – und da muss ich jetzt mal ne Lanze brechen – war aber “Broken Wings” (ich hoffe, der Name stimmt), eine Ballade. Da hat absolut nix gefehlt. Cleane Parts mit schönem Gesang und eingespielte härtere Sequenzen, die mit dem Cleangesang absolut richtig garniert waren.

Performancetechnisch gabs übrigens gar nix zu meckern. Stageacting war großartig und absolut passend zur Musik, was in jedem Fall erwähnenswert ist, denn das bekommen viele Bands immer noch nicht hin.

Uriels Wings

Dann mal der lang erwartete Auftritt des Gastgebers. Ich hatte ja schon vor dem Konzert das Vergnügen, mir intensiv die neue Platte “Sleeper” reinziehen und mich mit den Songs anfreunden zu dürfen. Schon seit dem Saarland Underground Metal Sampler 2010 bin ich gespannt auf URIELS WINGS und deren Liveperformance. Leider hat es erst gegen Ende 2011 geklappt. Dafür dann aber richtig.

URIELS WINGS spielen eine Mischung als Death-Metal und teilweise traditionellem Heavy-Metal. Das ganze aber garniert mit einer Frontfrau, die sowohl die harten als auch die zarten Gesangsparts übernimmt. Das hat mich auf dem Sampler und der CD schon fasziniert, weswegen ich auf die Livetauglichkeit dieser Methode ziemlich gespannt war. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Sängerin von URIELS WINGS hat die Grätsche zwischen brav und aggressiv sehr gut und stimmlich absolut sicher gemeistert und mit gutem Stageacting für eine runde Liveperformance gesorgt.

Wirklich mitreißend an dem Abend waren in jedem Fall “Saltwater” und “Sleeper”. Da hats für die 3-Mann-1-Frau Erste-Reihe-Fraktion auch zum ordentlichen Moshen gereicht. Was übrigens echt schade ist. Das Programm des Abends war ziemlich gut, es war sonst nirgends eine vergleichbare Veranstaltung und doch war das Flexibel wie leergefegt. Sehr schade, gerade wenn man bedenkt, dass es ein CD-Release war und im Vorfeld eigentlich ausreichend Werbung gemacht wurde.

URIELS WINGS in jedem Fall eine Empfehlung, sowohl live als auch auf Platte.

Fazit

Prädikat: Sehr gut. War, wie üblich, am Ende des Abends ziemlich besoffen, was ein Indikator für ein gutes Konzert ist. Glaube, es ging vielen so. Großer Wermutstropfen war aber das FLEXIBEL selbst. An dem Laden wird ohnehin oft Kritik geübt, man würde sich nicht gut genug als Metalkneipe und Konzerthaus verkaufen, man plane die Events nicht richtig durch und kümmere sich nur halbherzig um die Werbung. Alles Punkte, in denen ich größtenteils der gleichen Meinung bin. Aber am Samstag hab ich mich ziemlich unwohl gefühlt.

Wichtigster Punkt, der mir auch richtig auf die Eier ging: nur Bier am Ausschank!? Wasislos? Man musste nahezu betteln, um was anderes alkoholisches als Bier zu bekommen. Mal davon ab, dass ich mich als Gast einer Kneipe da ein bisschen verarscht fühle, wo bleibt das der ökonomische Gedanke? WOLLT ihr kein Geld verdienen?

Schlussendlich bekam ich dann doch noch Whiskey-Cola – und bezahlte 3 Euro für irgendwelchen Aldi-Fusel. Naja. Damit kann ich leben. Nicht so cool fand ich indes die zwei Damen, die ab 22 Uhr für den Rest des Abends hinter der Theke standen und jeden anschauten, als wäre er ihr persönliches Übel. Entschuldigung. Ich kann auch woanders mein Geld ausgeben, kein Thema.

Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat dann die Erhöhung des Bierpreises von 1,50 auf 2 Euro gegen 23 Uhr. Ist mir noch nie untergekommen, dass während eines Abends die Preise ERHÖHT wurden, außer sie waren vorher explizit als gesenkt ausgeschrieben, was ich in diesem Fall mal nicht annehme (Happy Hour war von 19 bis 20 Uhr).

Also alles in Allem: Musik klasse. Leute klasse. Laden scheiße. Ich hoffe, das hält sich nicht. Das Flexibel ist eine der letzten gut ausgerüsteten, bandfreundlichen und fast schon gut erreichbaren Locations für Underground-Konzerte im Saarland. Wenn man sich aber durch solche Sachen und unwillige Bedienungen runterwirtschaftet, wird das nicht mehr lange so sein. Und wer drunter zu leiden hat, sind in letzter Instanz leider wieder die Bands.

Galerie

Anbei eine Auswahl an Bildern. Wer unbedingt ALLE will (etwa 1.1GB) darf sich per Mail an hello@iamhavoc.de oder in den einschlägigen sozialen Netzwerken bei mir melden. Alle Fotos stammen von Sebastian Mörz.

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