Am vergangenen Freitag und Samstag wurde in Riegelsberg ausgiebig gefeiert. 2 Tage lang spielten insgesamt 20 Bands in der Köllertalhalle um verschiedene Preise, vor allem aber für den Spaß an der Sache. Und das vor einem ansprechend großen Publikum. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber ich schätze, dass im Schnitt pro Band mindestens 100 bis 150 Leute im Saal waren, die mal mehr, mal weniger begeistert mit den Bands gefeiert haben.
Für alle Lesefaulen vorab die Warnung: Tag 1 beinhaltet Reviews zu 10 Bands und der Veranstaltung an sich und das wird nicht wenig. Aus Gründen der Lesbarkeit teilen wir die Reviews für beide Tage auf. Hangelt euch durch das Inhaltsverzeichnis, wenn ihr unbedingt müsst ;) Besser wär’s natürlich, ihr gebt euch die volle Palette an Infos über alle Bands. Vielleicht fällt für euch ja auch was hörbares dabei ab. Here we go.
- Preise & Gewinner
- Bands
- Nemesis
- Surrender the Crown
- DSL
- Resistance of Yield
- The Gain
- Mango Maracuja
- Thoughtcrime
- Mindfear
- Siren’s Legacy
- Everyday Circus
- Allgemeines, Fazit Tag I
1. Preise & Gewinner
Alles zu Preisen und Gewinnern findet ihr im schon Sonntag Nacht live gegangenen Artikel.
2. Bands
2.1 Nemesis
NEMESIS hatten durften den Freitag um 19 Uhr eröffnen. 3 Jungs und 1 Mädel, das gleichzeitig Gitarre und Gesang bediente, verwöhnten das Publikum mit angenehmer, aber ereignisloser Akustikmusik. Eine gut eingespielte Truppe mit durchaus schönen Songs und guten Kompositionen, die es aber nicht schafften, das Publikum ausreichend in Wallung zu bringen. Das mag aber auch am Openingslot gelegen haben. Gegen 19:15 war die Halle zwar für ein Konzert im Saarland schon gut besucht, aber die Menge an Zuschauern war überschaubar. Mit “Tomorrow starts Today” präsentierten NEMESIS ein schönes Eigenwerk, bei dem meinem Empfinden nach die Stimme der Sängerin mit dem hoch angesetzten Refrain nicht ganz zurecht kam.
Einzig wahrer Kritikpunkt war ein Cover von Avril Lavigne (“Nobody’s Home”). Das mag viel an persönlicher Einstellung zur Thematik liegen – aber auf einem Nachwuchsfestival mit Jury und Publikumspreis ein Cover zu bringen, überzeugt mich nicht. Mir wurde gesagt, dass Coversongs von der Jury nicht gewertet werden. Vom Publikum aber garantiert schon, weswegen ein gut platziertes Cover eines populären Songs schon große Auswirkungen auf die Publikumsbewertungen haben kann.
2.2 Surrender the Crown
Meines Wissens nach, hatten SURRENDER THE CROWN am vergangenen Freitag ihr Live-Debut – und das nach 5 Proben. In diesem Sinne: Chapeau. Im Vergleich zu Nemesis, die reine Akustiksongs spielten, wurde hier schon richtig aufgedreht und im Tempo angezogen. Die 5 Jungs um Frontmann Matthias Braun legten ein hartes Alternative-Metalbrett hin, blieben dabei aber dem Cleangesang treu und erinnerten damit stellenweise an Disturbed.
Sehr stark in Erinnerung blieb mir eine in der Setmitte angesetzte Ballade, die sowohl die Stimme des Frontmannes bestens zur Geltung kommen ließ, als auch ein Produkt wirklich guter Kompositionsarbeit darstellte. Auch hier ein einziger, wirklich markanter Kritikpunkt, der aber im Laufe beider Abende noch bei anderen Bands Thema werden sollte: Sound. An manchen Stellen, insbesondere Soli mit vielen Höhen, ist mir teilweise das Hirn weggeschmolzen. Viel zu penetrant und sägend kamen die hellen Töne gepaart mit dem Scheppern der Becken vorne beim Publikum an und nahmen so natürlich dem Solo jeglichen positiven und erstaunenden Effekt.
Alles in Allem hatte man aber den Eindruck, dass man 5 altgedienten Livemusikern zuschaut, die eben das machen, was sie am besten können: Performen. Anbei 2 Videos vom Auftritt.
2.3 DSL
Mit DSL betrat für ein Nachwuchsfestival dann eine doch eher betagte Band die Bühne. 3 drei Herren “Jungs” zu nennen, wäre fast vermessen. Nichts desto trotz legten DSL die mit (ich weiß, komisches Wort) liebevollste Show des Tages hin. Massiver Crunch-Sound und Vintage-Instrumente unterstrichen das Rock’n'Roll-Feeling, das bei jedem der Songs aufkam. Und jeder einzelne wurde mit einer Innbrunst präsentiert, wie man sie bei vielen Bands beider Abende leidlich vermisst hat. Das meine ich mit liebevoll – man sah der Band wirklich an, dass genau das, auf der Bühne stehen und vor Publikum spielen, ihr Ding ist. Egal, wo, wie und wann. Für mich waren DSL im Rahmen des Events etwas Besonderes und beim schelmischen Grinsen des Sängers kam es mir manchmal so vor, als sähe er das auch so. Umso überzeugender und überraschender war die grandiose Performance und auch einige der Songs, die neben einfacher E-Gitarre auch mit Akustik- und Slide-Gitarre dargeboten wurden. Richtig runder, aber auch emotionaler und sehr erwachsender Rock’n'Roll.
2.4 Resistance of Yield
Die 5 Jungs von RESISTANCE OF YIELD zogen wieder andere Saiten auf: Knüppeldicker Death Metal rüttelte Publikum und Jury wach und animierte zum Headbangen. Mit maskiertem Bassisten und Gitarristen stellten RESISTANCE OF YIELD eine von 2 wirklich harten Metalbands beider Abende dar und zeigten sich gewohnt spielfreudig.
Leider war der kurze Gig überschattet von technischen Problemen. Im 3. Song fiel die 2. Gitarre, bzw. der daran hängende Amp aus und kostete die Band wertvolle Minuten ihrer Spielzeit, bis er wieder lief, was darin resultierte, dass ein Song weniger gespielt wurde.
Dieser Umstand ist zwar schade, aber im Rahmen einer so großen Veranstaltung nunmal absolut normal und wurde vom Orga-Team auch konsequent durchgesetzt, was bei einigen Bandmitgliedern nicht so gut ankam. Ich kann irgendwo verstehen, dass man sich über verlorene Playtime ärgert – aber man muss auch akzeptieren, dass andere Bands in den Startlöchern stehen und für jede überzogene Minute eigene Zeit opfern müssen. Auch nicht das Wahre.
Was auch bei ROY sehr zu wünschen übrig ließ, war der Sound. Dass die 2. Gitarre ausgefallen war, merkte ich erst, als der entsprechende Gitarrist irgendwann das Spielen aufgab und sich um die Technik kümmerte. Rein soundtechnisch tat das Fehlen der Gitarre dem Gesamtgebrumme keinen Abbruch. Der Sound war bestimmt von sehr viel Bass und noch mehr Höhen in Form von Becken. Die Mitten, in dem Fall die Gitarren, gingen leider völlig unter, was es mir oft erschwerte, dem Song, bzw. dem Takt zu folgen. Ob das ein reines Tontechnik-Problem war, oder durch Feinjustierung und Abstimmung der Instrumente, bzw. Verstärker hätte behoben werden können: Who knows?
2.5 The Gain
THE GAIN durften als Jury-Preis-Gewinner des letzten Scheinwerfers einen Slot von etwa 60 Minuten außer Konkurrenz bespielen. Was mir als angeproggter Alternative Rock in Erinnerung bliebt, bezeichnet die Band selbst als “Ghetto Pop”. Offensichtlich waren die technischen Probleme der Vorband bis zum Auftritt von THE GAIN noch nicht behoben – oder es gab neue, oder sonstige Verwirrung. Jedenfalls lamentierte der Frontmann, Sänger, Gitarrist und Keyboarder einige Zeit über einen nicht funktionierenden Amp, bis schlussendlich einer der Tontechniker, offensichtlich leicht gereizt, das Gespräch mit dem jungen Musiker suchte, was kurz darauf in der Lösung des Problems gipfelte. Also, alle Mann klar zum Ablegen!
THE GAIN eröffnete mit einem gefühlt 30 Minuten langen Elektro-Intro, dessen Flair sich über die gesamte Show der 3 Jungs hinweg hartnäckig hielt. Die Band geht musikalisch alternative Wege, ein bisschen Keyboard hier, ein bisschen Gitarre da, mal kurze, mal lange, mal gut, mal schlecht verständliche Ansprachen des Sängers oder des Bassisten und hin und wieder seichtes Brit-Pop-Feeling. Was an Kompetenz in das Lernen und Spielen von Instrumenten gesteckt wurde, wurde offensichtlich beim Umgang mit dem Publikum ausgespart. Mir entstand oft der Eindruck, die Band sei gelangweilt oder genervt vom Publikum und ließ das Publikum das auch spüren.
Nichts desto trotz ein sehr sehenswerter Auftritt mit richtig gutem Sound.
2.6 Mango Maracuja
Die Jury-Gewinner in Spe brillierten ebenfalls mit glänzendem Sound, aber deutlich bewegungsreicherer Performance. Gespielt wurde Psychedelischer Funk Rock, wenn ihr mich fragt. Tut ihr nicht, ja, aber gesagt ist gesagt. Der psychedelische Faktor wurde durch das verrückte Stageacting des Sängers deutlich verstärkt – er sprang und tanzte, wedelte mit den Armen und wagte während des letzten Songs sogar den Sprung von der Bühne, um mit dem, oder für das, Publikum zu tanzen.
Musikalisch bewiesen MANGO MARACUJA Können im Bereich Komposition und Umsetzung. Gepaart mit dem richtig guten Sound war das mit eine der rundesten Performances des Abends. Einer der letzten Songs war eine, ich übernehme das mal ungeändert aus meinen Notizen, “schweinegeile Gänsehautballade”. Lassen wa mal so stehen, oder? Würde ich mir wieder ankucken.
2.7 Thoughtcrime
Die 5 Mann von THOUGHTCRIME, deren Drummer mit einer sehr stylischen Eselsmütze definitiv das Outfit des Abends hatte, spielen Alternative Rock. Teils mit Keyboard garnierte Stücke, die definitiv Mitmach und Mitsingfaktor haben, wurden dem Publikm präsentiert. Eins davon, “Like Nothing Else”, mal auszugsweise hier:
Auch THOUGHTCRIME konnten mit recht gutem Sound aufwarten und durften gegen 22 Uhr noch vor einer richtig vollen Halle spielen.
2.8 Mindfear
Die Gewinner des Publikumspreises sind im Saarland ja keine Unbekannten mehr. Seit 2005 wird im Bastelkeller in Sankt Ingbert an ihrem treibenden und doch gefühlvollen Metal geknaupt, was sich dieses Jahr auf dem Scheinwerfer sichtlich bezahlt gemacht hat. Die Band um Frontfrau Mirijam schalteten nach einigen rockigeren Bands wieder einen Gang hoch und machten das Publikum zu später Stunde nochmal wach.
Auch bei MINDFEAR gabs am Sound nix zu meckern. Gepaart mit dem aktiven Stageacting und dem Mitmachfaktor der meisten Songs sorgte das auch dafür, dass das Publikum zum ersten Mal an diesem Abend wirklich aktiv an der Show teilnahm, klatschte und die Feuerzeuge zur Ballade “One of a Kind” schwang – bzw. auf die Bühne warf ;)
Bassist und Gitarrist lieferten sich irgendwann im letzten Song ein Ein-Runden-Fangen-Spiel von der Bühne runter, durchs Publikum und wieder rauf – was auf Livekonzerten ja eigentlich gar keine so ungefährliche, aber doch sehr belustigende Sache ist.
Auch MINDFEAR verwöhnten das Publikum mit einer Ballade, die die Stimme von Mirijam bestens zur Geltung kommen ließ. “One of a Kind” gibts nun hier zu hören:
2.9 Siren’s Legacy
SIREN’S LEGACY waren die vorletzte Band des Freitags, was man unter anderem an dem leider schwindenen Publikum feststellen konnte. Trotzdem ließen sich die 3 Jungs und 2 Mädels die Chance nicht nehmen, ihren Seefahrern ein gutes Konzert zu liefern.
Da Gitarrist Benne leider gesundheitsbedingt ausfiel – auch schon beim Wildcard-Contest 2 Wochen zuvor – sprang der großartige Dominik Charoy kurzfristig ein und erwies sich als würdiger Vertreter des sonstigen Leadgitarristen der Band.
Mit ihrem Symphonic Metal waren Siren’s Legacy nochmal eine Spur gediegender als Mindfear, hielten die Metalflagge aber dennoch hoch und feierten kräftig ab. Leider bei wieder etwas schlechterem Gesamtsound. Die Gitarre war hier viel zu penetrant in den Mitten und insgesamt einfach zu laut, sodass der Rest der Band ein bisschen unterging. Allerdings ließ sich das durch Umpositionieren vor der Bühne recht gut kompensieren.
Anbei ein Video von “Phoenixflight”, dem Opener:
2.10 Everyday Circus
EVERYDAY CIRCUS durften trotz Headliner-Slot und später Stunde noch gut 100 Leuten ihren Alternative Rock präsentieren. Die 4 Jungs ließen sich von der Uhrzeit jedenfalls nicht die Stimmung verhageln und spielten eine energiegeladene Show, die den Abend abrundete.
Zum Abschluss des Abends wurde das Publikum nochmal mit brauchbarem, aber in Summe ereignislosem Rock bei gutem Sound berieselt. EVERYDAY CIRCUS wurden von der Jury mit einem Sonderpreis geehrt: einem 500 Euro Tonstudio-Gutschein.
3. Allgemeines, Fazit Tag I
Es war ein richtig fetter Abend. 6h lang Musik, Bruch Bier und Pizza und Rigatoni vom lokalen Pizzamann. Eine dauerhaft gut gefüllte Halle, gute Organisation und viele, viele Bekannte und Freunde. Eigentlich ein Erlebnis der Extraklasse und guter Nährboden für Musiker, Fans, Pressemenschlein und aktuelle oder zukünftige Veranstalter und Talentsucher. Gesamtfazit im Beitrag für Samstag. Soviel sei nur gesagt: Mehr Konzerte dieser Qualität (nicht unbedingt von diesem Umfang) bitte!
Zum Abschluss noch Olis Vor- und Nachbericht vom Scheinwerfer. Lassts euch schmecken!
Und ganz zum Schluss: HIER gibts die Fotos vom Event :)
Teile und herrsche
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Comments
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Ok, like! :)
Es wurde richtig gestellt! I like! :o)
Mir auch nicht! Zumal es nicht der Wahrheit entspricht!!! >:o(
DIESER Bericht gefällt mir NICHT!
Fertig. Siehe oben
Cool, dann bin ich jetzt mal auf Tag II gespannt!
Da kann ich nur sagen: TOP JOB !!!!