
Neue Deutsche Härte ist, bis auf Rammstein natürlich, so gar nicht mein Fall. Und so gings mit gemischten Gefühlen ins Gasthaus Schulz nach Mainzweiler. Dort, in einem Hinterraum, fand die Sause statt. Zum Zeitpunkt meines Eintretens kurz nach 20 Uhr haben Herzparasit gerade die Bühne betreten. Eins muss man den Jungs lassen: verkleiden können sie sich. Der Sänger besaß einen Hut mit Laserpointer, Schweißerbrille, Kartenspiele und Krawatte und sah dennoch weder böse, noch wirklich cool aus. Eher wie ein bunter Vogel. Naja, nette Effekte gabs zuhauf. So gings für den Sänger öfter ins Publikum, von wo er weiter seinen Gesang darbieten konnte. Aber musikalisch, oh Mann. Gut, die beiden YouTube-Videos, die ich vorher goutiert habe, ließen schon schlimmes vermuten. Ich geb einfach mal eine kurze textliche Kostprobe:
“Doch wir sind weder Rammstein, noch Oomph!, noch Megaherz! (…) Wir sind nicht die bösen Männer! Wir sind liebe fromme Lämmer!”
Problematisch hierbei: sie hören sich eben exakt so an! Sie sind Rammstein, Oomph! und Megaherz, nur eben in schlecht. Gucken wir mal weiter:
“Ich habe etwas in der Hose zum Naschen, ich habe etwas in der Hose für dich komm noch näher Du bist so fern und dafür zahle ich gern” (aus Mädchensahne)
Folgende Zeilen hat die Band übrigens dem Musikbusiness gewidmet:
“Schlagt eure eigene Schlacht! Ihr kotzt uns total an! Was wollt ihr denn von uns? Behandelt uns wie Müll! Verreckt in eurem Dreck und werft uns einfach weg!” (aus Rattenloch).
Alle Zitate nach eigener Homepage. Na, endlich mal eine Band, die Farbe bekennt… bei Echozone, im Vertrieb von Sony. Bei soviel Rebellentum und textlicher Brillianz bleibt nur noch zu erwähnen, dass die Musik beim restlichen Publikum wohl ganz gut ankam.
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Im Gegensatz zur ersten Band benötigen Unzucht noch etwas mehr Unterstützung. Unzucht bestehen seit 2009 und haben bisher lediglich eine EP mit dem coolen Titel Engel der Vernichtung vorzuweisen. Nervosität war keine anzumerken. Vielmehr spulte die Band routiniert ihr Programm ab und zeigte, dass sie eine sehr gute Liveband ist. Man merkt einfach an, dass die Jungs von Unzucht seit ihrer Gründung permanent auf Tour sind und schon für so manchen großen Akt eröffnet hanem. Musikalisch gabs eine Mischung aus Rock / Gothic / Industrial (zitiert nach Facebook) zu hören. Ist natürlich Quatsch. Es gab die übliche Gothic-Metal-Pseudo-Industrial-Metal-Rock-Mischung zu hören, die heute in der sogenannten Schwarzen Szene angesagt ist. Aber man muss es ihnen lassen: auf NDH-Klischees wurde weitestgehend verzichtet und von den angetretenen Bands waren sie sicherlich die eigenständigsten.
Stahlmann sind eine lupenreine Klon-Band von Rammstein, bei der nur das rollende R fehlt. Außerdem fehlen den Jungs die bitterbösen textlichen Spitzen. Ich denke, hier liegt das große Problem der NDH begraben. Wo bei Rammstein provokante Texte, die jedoch tiefgründig daherkommen, vorherrschen, sind ihre Epigonen meist einfach nur platt. Ich erinnere nur an Miststück von Eisbrecher. Darunter haben Stahlmann auch zu leiden. Zeilen wie “Hörst du Stahlwittchen. Stahlwittchen. Bück dich Stahlwittchen. Auf die Knie. . Erreg mich, beweg dich. Du holde Maid, komm leg dich.” (aus… na? Stahlwittchen natürlich), sind nicht dazu geneigt, bei mir Begeisterungsstürme auszulösen. Eher lässt es meine Fremdschämsensoren klingen. Und so gehts dann munter weiter durch ein Set, dass mit allen NDH-Klischees spielt. Man merkt, musikalische Eigenständigkeit wurde an diesem Abend nicht gerade groß geschrieben. Die einzige Innovation dürfte die stählerne Bemalung der band gewesen sein. Stahlmann war, wie alle Bands an diesem Abend, redlich bemüht, das Publikum zum Tanzen und Mitsingen zu animieren. Und das gelang ihnen sogar recht gut. Mit “Jubel” wurde auch das Motto des Abends festgelegt. Insbesondere Frontmann Mart gelang es, das Publikum zu animieren und zu fesseln. Auch ein paar neue Lieder vom demnächst erscheinenden Album Quecksilber gabs zu hören. So unter anderem Spring nicht. Nein, kein Tokio-Hotel-Cover, eher das Gegenteil von Spring von Rammstein. Die nächste NDH-Band darf dann Spring doch herausbringen. Außerdem Tanzmaschine, das mit Sicherheit die nächste Single wird… Oh, gerade gesehen…. die aktuelle Single der Band. Als Zugabe gabs außerdem noch ein Cover von Hier kommt Alex, bei dem ein ebensolcher Namensvetter ohne ersichtlichen Grund mit auf der Bühne war. Stahlmann waren jedenfalls für diesen Abend der perfekte Headliner. Sowohl in guter, als auch in schlechter Hinsicht. Und die Tatsache, dass ich trotz all der Häme nochmal ein Konzert von ihnen besuchen würde, scheint auch zu zeigen, dass sie an diesem Abend verdammt viel richtig gemacht haben.
Links: Herzparasit – Unzucht – Stahlmann
PS: Auch wenn ich Herzparasit oben mehr oder weniger zerrissen habe, das ist natürlich nur meine Meinung. Ich bin auch keiner der bösen Männer, deswegen hat die Band ja jetzt auch einen Wikipedia-Eintrag. Also nix für ungut.
PPS: Das hier ist ein Iamhavoc-Exklusivbeitrag, der nicht auf meinem Blog gespiegelt wird.
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